Mit modernster Technik gegen die Corona-Pandemie

Während die Corona-Pandemie die Welt seit Monaten in Atem hält, kämpft auch Deutschland weiterhin mit steigenden Fallzahlen und Neuinfizierten. Trotz wiederholten Aufrufen zu vermehrter Hygiene, sozialem Abstand und nicht zuletzt der Nutzung von Atem-Mund-Masken, scheint das Virus bisher kaum kontrollierbar. Maßnahmen wie Restaurantschließungen, begrenzte Besucherzahlen oder gänzlich abgesagte Veranstaltungen, die Verlagerung von Bürojobs ins Home-Office und die vorübergehende Schließung von Schulen und Kindergärten sind nur einige der Neuregelungen, mit denen seit Beginn des Jahres versucht wird die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Nun soll die deutsche Corona-Warn-App bei diesem Unterfangen helfen.

Corona-Warn-App zur Bekämpfung des Virus

Um mögliche Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und im Idealfall unterbrechen zu können, haben der Software-Konzern SAP und die Deutsche Telekom mithilfe der Frauenhofer-Gesellschaft und des Helmholtz-Zentrums CISPA seit Beginn des Jahres an einer Corona-Warn-App gearbeitet. Seit Juni 2020 steht diese App sowohl für iPhone als auch Android kostenlos in den jeweiligen App Stores zum Download bereit und soll dem Virus nun in Verbindung mit dem nationalen Gesundheitssystem wortwörtlich den gar ausmachen. In diesem Zusammenhang ruft insbesondere die Bundesregierung immer wieder dazu auf die App auch während kürzeren Aufenthalten, Urlauben oder Besuchen im Bundesgebiet zu nutzen.


Ziel der Corona-Warn-App ist es dabei Smartphone Nutzer mithilfe der App rechtzeitig über mögliche Kontakte mit Coronainfizierten zu informieren. Derweil sowohl Installation als auch Nutzung der App vollkommen kostenlos und freiwillig sind, haben laut Regierungsaussagen bereits im September 2020 über 18 Millionen Nutzer die App auf Ihr Smartphone heruntergeladen. Und auch europäischen Ausland wurde die App mit knapp einer halben Million Downloads überaus positiv angenommen. Dementsprechend bezeichnete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die App als “die mit Abstand erfolgreichste Warn-App in Europa” und als wichtiges Instrument zur Unterstützung der lokalen Gesundheitsämter.

Wie funktioniert die Corona-Warn-App?

Mit der App haben Nutzer aktuell die Möglichkeit sich anonym via Bluetooth darüber zu informieren, ob sie sich in der Nähe einer Corona-infizierten Person aufhalten. Dazu tauscht Ihr Smartphone automatisch einen verschlüsselten Code mit anderen Smartphones in der Nähe aus, die später darüber Auskunft geben, wie lange der jeweilige Kontakt gedauert hat und wie groß der Abstand dabei war. Informationen zur Identität und Standort der Nutzer werden dabei nicht ausgetauscht. Alle so gesammelten Codes werden nach 14 Tagen von Ihrem Smartphone gelöscht.

Hat sich nun aber eine der Personen mit denen Sie in Kontakt waren mit Corona Virus infiziert, kann sie ihre Codes allen anderen Nutzern zur Verfügung stellen, um mögliche Infizierungen zu informieren. So haben Sie mit der Corona-Warn-App die Möglichkeit Testergebnisse mitzuteilen und als Teil eines Frühwarnsystems zu nutzen.

Dennoch werden auch hier Privatsphäre und Datenschutz großgeschrieben. So kann jeder Nutzer individuell entscheiden, ob er das jeweilige Testergebnis zur Kontaktnachverfolgung über die App teilen möchte oder nicht. Zusätzlich zur Prüfung via Bluetooth haben Nutzer der Corona-Warn-App die Möglichkeit sich telefonisch über ein Call-Center der Telekom zu informieren, ob sie sich in den vergangenen 24 Stunden in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten haben.

Näheres zur Corona-Warn-App können Sie auf der offiziellen Webseite der Bundesregierung erfahren. Hier stehen Ihnen neben dem Podcast der Bundeskanzlerin zur aktuellen Situation auch detaillierte Informationen zur Funktionalität der Corona-Warn-App, sowie Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Verfügung: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/corona-warn-app.

Rosige Zeiten für die Corona-Warn-App in Deutschland

Gemäß einer aktuellen Forsa-Umfrage wird die Warn-App aktuell von knapp einem Drittel der deutschen Bevölkerung genutzt. Und rund 10 Prozent der App Nutzer wurden dabei bisher über die App informiert sich in der Nähe einer Corona-infizierten Person aufgehalten zu haben.

Aufgrund des allgemeinen Erfolgs der Corona-Warn-App ist nun im Gespräch die bisherigen Funktionen der Applikation zu erweitern. So soll es in Zukunft möglich sein über die App Krankheitssymptome abzufragen, wie es bereits in anderen Ländern möglich ist. Neben Englisch und Deutsch soll die App in Zukunft ebenfalls auf anderen Sprachen wie beispielsweise Türkisch zur Verfügung stehen. Und nicht zuletzt sind Verbesserungen der Barrierefreiheit mit entsprechenden Vorlese- und Zoomfunktionen geplant.

Download und Nutzung der Corona-Warn-App

Wer sich dazu entschließt die deutsche Corona-Warn-App auch auf seinem Smartphone zu nutzen, hat derzeit sowohl im Google Play Store als auch im Apple App Store die Möglichkeit zu einem kostenlosen Download.

Um die App anschließend nutzen zu können, müssen Smartphone User dann den gängigen Datenschutz-Bestimmungen zustimmen und der App Zugriff auf die integrierten Bluetooth-Funktionen des jeweiligen Endgeräts erteilen.

Mithilfe des Bluetooth-Trackings speichert Ihr Smartphone dann, welche anderen Geräte sich innerhalb der vergangenen 14 Tage in der Nähe befunden haben und warnt deren Nutzer über mögliche Infizierungen. Gleichzeitig werden Sie über das System informiert, falls auch Sie sich in der Nähe eines positiven Coronafalls aufgehalten haben.

Neben dieser Benachrichtigung liefert Ihnen die deutsche Corona-Warn-App ebenfalls entsprechende Verhaltensempfehlungen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen wird dabei nicht informiert, wann, an welchem Ort genau oder mit welchem anderen Nutzer der jeweilige Kontakt stattgefunden hat.

Die Corona-Warn-App informiert Sie anhand der Kontaktinformationen der vergangen zwei Wochen nicht nur über Ihr Infizierungsrisiko, sondern ermöglicht es Ihnen ebenfalls Ihre eigenen Testergebnisse einzugeben. Wer also einen Corona-Labortest gemacht hat, kann die Untersuchungsergebnisse direkt mit in die App aufnehmen. Im Falle eines positiven Corona-Tests, können Sie eine entsprechende Liste mit Kontakten der letzten Tage hochladen, sodass auch andere Nutzer über die App automatisch über eine mögliche Infizierung informiert werden können.

Datenschutz und Privatsphäre

Während noch vor Markteinführung der Corona-Warn-App kritische Stimmen laut wurden und vor möglichen Lücken und Schwachstellen in punto Datenschutz und Sicherheit warnten, sprach sich der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Ulrich Kelber, positiv für die App aus. Im Rahmen einer groß angelegten Untersuchung für das Bundesamt für Sicherheit konnte derweil festgestellt werden, dass die App sicher ist und ein Zugriff auf sensible Daten durch Dritte nicht zu erwarten sei. Darüber hinaus ermöglicht die App auch den Zugriff auf private Daten oder den Informationsaustausch über Standorte und Nutzerverhalten nicht.

Im Vergleich zu Apps anderer Nationen hebt sich die deutsche Corona-Warn-App daher besonders positiv hervor. Während gerade die App in China und weiteren asiatischen Ländern die hohen Ansprüche der deutschen Datenschutzgesetze nicht erfüllen, müssen sich Anwender der deutschen Applikation keinerlei Sorgen über die Erstellung möglicher Bewegungsprofile oder Übergriffe auf die Privatsphäre machen. In diesem Sinne betonte der Präsident der Gesellschaft für Informatik, Hannes Federrath, dass über die App gesammelte Daten lediglich dezentral gespeichert würden. Dies stellt einen klaren Unterschied zur Datenverarbeitung in Frankreich da, wo die Regierung bisher auf eine zentrale Speicherung aller Kontaktdaten pocht.

Dennoch ist laut Aussage der Telekom eine Verwendung der deutschen Corona-Warn-App inzwischen in allen 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, Großbritannien und Norwegen möglich. Somit kann das Corona-Warnsystem nicht nur von deutschen Bundesbürgern, sondern ebenfalls von Besuchern, Touristen oder Geschäftsreisenden genutzt werden.

Nutzer, die diesbezüglich Fragen haben, können sich aktuell über die kostenlose Entwicklerhotline beraten lassen. Jeweils von montags bis samstags bekommen Sie hier zwischen 07:00 und 22:00 Uhr Antworten auf mögliche Unklarheiten und Fragen. Die kostenlose Rufnummer +49 800 754 000 1 steht Ihnen dabei in Deutsch, Englisch und Türkisch zur Verfügung.

Falschmeldungen und Fehlalarme

Um auch bei der Corona-Warn-App Falschmeldungen oder Fehlalarme weitestgehend zu vermeiden, setzt die App auf die direkte Information von positiven Testergebnissen durch die jeweiligen App-Nutzer. So informiert die App prinzipiell lediglich über mögliche Kontakte, Sicherheitsabstände und Zeiten, untersucht aber nicht, ob ein Nutzer mit dem Corona Virus infiziert ist oder nicht.

Diese Information kann jeder Nutzer der App individuell zur Verfügung stellen. Und auch hier werden Fehlmeldungen und falsche Informationen erschwert. Denn ein positives Testergebnis kann lediglich über einen entsprechenden Code des deutschen Gesundheitssystems informiert werden. Zusätzlich kann ein Nutzer in der Corona-Warn-App selbständig entscheiden, ob aktuelle Testergebnisse geteilt werden und Kontakte der vergangenen 14 Tage über die Infizierung informiert werden sollen.

Unterdessen weisen Technikexperten darauf hin, dass die App dennoch Fehlalarme aufweisen kann. Da insbesondee die Bluetooth-Technik nicht für die Nutzung im Rahmen einer Pandemie entwickelt wurde, kann es vereinzelt zu nicht registrierten Kontakten kommen. Ebenso ist es laut Expertenaussagen möglich, dass zwar ein Kontakt mit einer infizierten Person bestanden hat, eine Ansteckung aufgrund bestehender Sicherheitsmaßnahmen wie Mundschutz oder Glasscheiben und ausreichend Abstand aber theoretisch ausgeschlossen werden muss.

So dient die deutsche Corona-Warn-App vor allen Dingen als Unterstützung des Gesundheitssystems und zur Orientierung der Bevölkerung, stellt aber keine Garantie für oder gegen eine Ansteckung mit dem Virus dar. Kurz gesagt bedeutet dies, dass die regelmäßige Nutzung der App weder die empfohlenen Vorsichts- und Hygienemaßnahmen noch das Tragen eines Mundschutzes aufhebt.

Fazit

Die Corona-Warn-App ist ein wunderbares Tool, das zur Unterstützung während der andauernden Corona-Pandemie eingesetzt werden kann und sollte. Als Teil eines Frühwarnsystems kann die App bis zu einem gewissen Grad Infizierungsketten aufdecken und so längerfristig helfen das Virus einzudämmen.

Dennoch ist die Corona-Warn-App nicht als Allheilmittel für die bestehende Krise zu verstehen. So sollte auch weiterhin die bestehenden Handlungsempfehlungen berücksichtigt und konsequent auf sozialen Abstand, sowie das Tragen eines geeigneten Mundschutzes geachten werden. Insbesondere im Umgang mit älteren Personen oder Patienten in Behandlung sollte entsprechend Rücksicht geübt werden.